Making of – Comedy Kurzfilm ‚der Einbruch‘


2020 erschien auf YouTube der 24-minütige Kurzfilm ‚Der Einbruch‘ – Hier gibt es exklusive Eindrücke in die Entwicklung des Projekts. Woher kam die Idee? Wie setzt man einen Kurzfilm mit geringen Mitteln um? Und wie geht es weiter? Der Film wurde 2020 auf YouTube veröffentlicht und kann hier gesehen werden: https://www.youtube.com/watch?v=VHDa_N9E7nc

Polizist Eckart (Andreas Büchs) und Dieter (Sebastian Dechent) machen einen merkwürdigen Fund

Die Pre-Production


Die Idee kam dem damals 19-Jährigen Regisseur im Sommer 2018. Gerade mit dem Abitur fertig, wusste er schon damals, dass er Filme machen wollte. An einem heißen Sommertag entstand kurzerhand die Idee für einen Comedy-Spielfilm aus Sicht von vier Jugendlichen, die gemeinsam Abenteuer erleben.

Wie dreht man einen Film?

Filme zu realisieren ist ein kostspieliges Unterfangen. Nicht umsonst ist der Tatort mit ca. 1,9 Millionen Eure dotiert – Für amerikanische Verhältnisse wäre das laut Definition sogar noch nicht einmal ein Low budget Film! Dieser fängt dort nämlich erst bei ca. 10 Millionen Dollar an. Doch warum ist das so teuer? Es gibt zwei wichtige Komponente zur Umsetzung eines Spielfilms: Die Technik & die Crew.

In den letzten 20 Jahren hat sich aber etwas verändert. Durch immensen technologischen Fortschritt an beiden Fronten ist es immer leichter möglich, Bewegtbild auch mit deutlich weniger Ressourcen umsetzen zu können. Das liegt vorallem an der Digitalisierung. Gute Digitalkameras wurden immer zugänglicher & kostengünstiger. Man war nicht mehr darauf angewiesen, analog zu drehen. Große Marken wurden schnell darauf aufmerksam, dass hier ein Markt erschlossen werden konnte. Und so wurden schnell nicht nur Kameras zu niedrigen Preisen verkauft, sondern zunehmend auch Beleuchtung, Recorder, Steadycams, Slider, etc … Und so war der moderne Indie-Film geboren!

Die Digitalisierung hat allerdings einen (in meinen Augen) deutlich wichtigeren Vorteil hervor gebracht: Die Möglichkeit, sich mit Nachwuchstalenten deutschlandweit über das Internet zu verbinden. Diese neue aufregende Epoche im Medium Film blieb nicht unbemerkt. YouTube-Kanäle wie FilmRiot, DSLRGuide, D4Darious und viele weitere halfen dabei, das Grundwissen für filmisches Erzählen, Story-Struktur und technische Möglichkeiten in Millionen Zuschauern zu festigen. Und so öffnete sich die Tür einen Spalt breit – Und wir nutzen sie!

Die Crew

Filme drehen macht Spaß. Das ist die Grundprämisse. Mit diesem Hintergrund hielt ich Ausschau nach jungen Menschen, die mit mir auf diese Reise gehen wollen würden – Wann bekommt man schon die Möglichkeit, an einem Spielfilm zu arbeiten? Nils, unseren Tonmeister, lernte ich z.B. im Fitnesstudio kennen. Er hatte noch nie aktiv den Ton übernommen, spielte aber in einer Band und wollte sich in die Richtung weiterentwickeln. Perfekt.

Thomas, unseren Kameramann, lernte ich über bereits 2017 über Facebook kennen. Wir teilten die gleiche Liebe für Film, er für Kamera und ich für Regie. Super!

Unseren Aufnahmeleiter – Patrick – lernte ich über einen befreundeten Schauspieler kennen, der mit mir am Kurzfilm „WERTLOS“ gearbeitet hatte. Sehr gerne! Und so fand sich unsere Truppe zusammen. Nicht, weil wir das Geld im Hinterkopf hatten – Es gab keins – sondern weil uns die Liebe zum Film verband. Und wir instinktiv spürten, dass es für uns, die junge Generation, an der Zeit war, der Welt zu zeigen, was wir drauf hatten!

Casting

Ich tat das, was ich jedem/r Nachwuchsfilmschaffenden empfehlen würde, um loszulegen: Ich nutzte das Internet. Ich startete etliche Casting-Aufrufe auf Facebook & Crew United. Andere Menschen spürten unsere ungebändigte Motivation und meldeten sich bei uns. In der Filmbranche muss man sich gegenseitig helfen – Wir wussten das.

Irgendwann bekam ich eine Nachricht von einer Frau, die für eine Webseite arbeitete, die wie eine Casting-Agentur funktioniert. Sie bot mir an, mein Gesuch auf ihrer Webseite zu veröffentlichen – Und die Anzahl der Bewerber:innen explodierte! Wir hatten 4 Rollen ausgeschrieben. Am Ende hatten wir knapp 100 Schauspieler:innen, die sich bei uns mit einem Video bewarben. Gemeinsam mit Thomas legten ich mich auf diejenigen fest, die meiner Meinung nach am Besten für die Rolle geeignet waren – Und schon hatten wir unseren Cast!

Technik

Abgesehen von der wenigen Technik, die wir uns über die Jahre selbst zugelegt hatten, mussten wir u.a. weitere Lampen, Starkstromkabel, Steadycam, etc. beschaffen. Hierbei setzten wir auf unterschiedliche Wege – Über den offenen Kanal Kaiserslautern konnten wir uns Steadycam, Stative und LED’s ausleihen. Eine kleine Firma in der Nähe von Köln, die sich auf Fotografie spezialisiert hat, erklärte sich außerdem bereit, uns die Technik kostenlos zur Verfügung zu stellen, die sie gerade nicht brauchen.

Locations

Die Stadt Kaiserslautern – Meine Heimat – erklärte sich nach einigen Gesprächen bereit, uns das Freibad „Waschmühle“ (Deutschlands größtes „Einbeckenbad“) für 3 Nächte zur Verfügung zu stellen. Normalerweise finden in Kaiserslautern keine Filmproduktionen statt, daher war es umso spannender für die Gemeinde, uns unter die Arme zu greifen und über die Schulter zu schauen. Für die Location der Schule wandten wir uns nach Köln – Nach einigem hin und her war es uns trotz unseres geringen budgets möglich, die passenden Orte zu finden und die Genehmigungen zu bekommen.


Die Dreharbeiten


Julian Lippke (links) und Kameramann Thomas Nixon (Rechts) beim Dreh im Schulgebäude

Es gelang uns, die nötige Crew & die Technik zusammen zu bekommen, um den Film nach unseren Maßstäben umzusetzen. Das Gesamtbudget lag bei ca. 2400 Euro. Hier bekamen wir u.a. finanzielle Unterstützung der Firma WIPOTEC aus Kaiserslautern und dem GLOBUS.

Die Dreharbeiten fanden an insgesamt 6 Tagen ( – und Nächten) im Sommer 2019 statt. Dadurch, dass wir alle wenig Erfahrung hatten, fühlte sich der Dreh selbst wie ein kleines Abenteuer an. Wir wussten nicht, was auf uns zukommen würde.

Wichtig ist, die Schauspieler rechtzeitig drehfertig zu bekommen – Das bedeutet Maske und Kostüm müssen sitzen. Zu sehen ist Hanna Schmith (Maskenbildnerin), wie sie gerade Lennart Gottmann (Dev) noch einmal pudert.
EIne besonders große Herausforderung waren die Nacht-Szenen im Freibad ‚Waschmühle‘. Hier musste alles im vorhinein geplant und getimed werden, damit man beim Aufbau und vor dem Dreh keine Zeit verliert.

Zu den Highlights gehören u.a. eine zwanzigminütige improvisierte Theateraufführung der Schauspieler in der Unterkunft, das spontane Organisieren von Pizza-Kartons, das eisig kalte Wasser nachts um 2 Uhr und Beschwerde eines Anwohners, die „Veranstaltung sei viel zu laut gewesen“.

Bei alledem muss aber auch gesagt werden, dass wir das Projekt als Chance sahen, uns zu beweisen und etwas auf die Beine zu stellen, das Menschen Freude bringt. Von den Schauspielern über den Tonmeister hin zur Kamera – In dem Versuch, einen spannenden Film umzusetzen waren wir sehr ambitioniert und hoffnungvoll. Jede:r konzentrierte sich auf sein/ihr Handwerk und gemeinsam gelang es uns, die Dreharbeiten ohne Verzögerungen oder größere Probleme abzuschließen.


Die Auswertung & die Katastrophe von COVID-19


Als der Film endlich fertig war, feierten wir im Herbst 2019 unsere große Crew-Premiere in Bonn. Alles in Allem fühlt es sich schon fast wie ein Ereignis aus einem anderen Leben an – Die Rezension war gut, viele mussten laut Lachen oder zumindest schmunzeln – und wir waren stolz.

Die Auswertung sah vor, es zunächst im Winter 19/20 bei den großen Festivals zu versuchen, also dem FFMOP, der Berlinale und Cannes. Leider schafften wir es nicht in das Programm – Es war traurig, aber in Anbetracht der Umstände nicht überraschend. Dafür freuten wir uns umso mehr auf den Sommer 2020. In der Saison standen nämlich die kleinen Filmfestivals an. Dann traf uns die COVID-19 Pandemie. Die erste Welle und die damit verbundenen Einschränkungen überrollten die Kultur-Branche und trafen junge Selbstständige besonders hart. Beinahe alle kleinen Festivals wurden fristlos abgesagt.

Der Film feierte letztendlich auf dem „Couch ’n Sofa Online-Festival“, eine Veranstaltung organisiert vom JUKA e.V. seine Premiere. Außerdem war er beim 2nd Free Independant Film Weekend, beim Créajeune Wettbewerb 2021 und dem Berlin LiftOff 2021 zu sehen – Alle wegen der Corona-Pandemie online. 2020 wurde er auch auf YouTube veröffentlicht, wo er kostenlos zu sehen ist.

Bis zu diesem Tag allerdings wurde der Film nur einmal auf der großen Leinwand gezeigt. Im Sommer 2020 im Autokino in Hechingen.

Dev (Lennart Gottmann) und Stephanie (Melissa Lambert) genießen ihre Freiheit und träumen im Licht der Sterne.

Und jetzt?


Es ist die uneingeschränkte Meinung des Autors dieses Textes & Regisseurs des Kurzfilms, dass es unsere Gesellschaft gerade jetzt besonders nötig hat, für einige Minuten die Realität um uns herum auch Mal zu vergessen & in eine Welt einzutauchen, in der es in Ordnung – ja, sogar gewünscht ist -, zu lachen und wieder zusammen zu finden. Ob der Film darin Erfolg hat, muss jede:r für sich selbst entscheiden.

Kunst & Kultur jeglicher Art – Aber vorallem Film, der so von finanziellen und gesellschaftlichen Faktoren abhängig ist, muss von der Gesellschaft gewürdigt werden, sonst stirbt er. Ob der Indie-Film in Deutschland überleben wird, das wird sich zeigen. Ganz unabhängig von Corona gibt es ja noch andere Entwicklungen, die das Medium unter Druck setzen.


Ein Funke Hoffnung


Im Sommer 2021 – inmitten der Corona-Pandemie – hat es sich das Team von „Der Einbruch“ nicht nehmen lassen und einen Nachfolger produziert – Liebe, Drogen und weitere Laster [AT]. Der mittellange Spielfilm hat das sechsfache budget des Kurzfilms. Beteiligt waren über 80 Personen aus ganz Deutschland. Gefördert wurde das Projekt u.a. von ARRI Luxembourg, Spektrum Film und der Medienanstalt Rheinland-Pfalz. Außerdem half uns der JUKA e.V. bei der Finanzierung.

Wir haben es geschafft, den Dreh abzuschließen. Aktuell wird der Film in Teheran, Iran geschnitten. Vielleicht entwickelt sich der Comedy-Nachfolger ja zu einem Phänomen. Gerade junge Menschen brauchen doch in diesen Zeiten Geschichten, die ihnen zeigen, was es eigentlich bedeutet, jung zu sein – diese Freiheit und das große Abenteuer, das mit dem Gefühlschaos und der Naivität der Teenager-Jahren verbunden ist.



1 thought on “Making of – Comedy Kurzfilm ‚der Einbruch‘

  1. best CBD says:

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    Antworten

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